„Intensive und teilweise stark emotionale Diskussionen um Trainings- und Ausbildungsmethoden von Pferden haben zu jeder Zeit stattgefunden. Letztlich haben sie immer zu einer Verbesserung der Situation geführt, und das haben wir auch von den Diskussionen um die „Rollkur" erhofft. Nun hat eine große Expertenrunde, einberufen von der FEI, sich mit diesem Thema befasst. Und hier die Ergebnisse:
Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass die Rollkur, von erfahrenen Trainern und Reitern angewendet, dem Pferd direkten Schaden zufügt. Es gibt aber auch keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass sie selbst von diesen erfahrenen Menschen ausgeübt, keinen Schaden verursacht. Durchgeführt von weniger erfahrenen Menschen sieht man das jedoch höchst kritisch und appelliert an die Vorbildfunktion der Spitzenreiter und -trainer.
Die Überdehnung des Halses kann von einem Pferd über einen längeren Zeitraum nicht gehalten werden.
Es kam klar zum Ausdruck, dass bis zur Beantwortung zahlreicher Fragen um diese Trainingspraktik noch ein erheblicher wissenschaftlicher Forschungsbedarf besteht. Eine detailliertere Definition dessen, was als Missbrauch zu bezeichnen ist, ist erforderlich. Die Frage nach Stressfaktoren, Schmerzen oder Unbehagen des Pferdes im Rahmen dieser Trainingsmethode sind noch zu klären. Die Fortbildung von Stewards, um möglichen Missbrauch oder falsche Anwendung dieser Methode zu erkennen, ist anzugehen.
Es ist gut, dass sich die FEI intensiv mit dem Thema befasst hat. Es ist schön, dass die Experten festgestellt haben, dass sie eigentlich nichts wissen. So hat sich die Sitzung doch schon gelohnt. Aber im Ernst: Wir haben Forschungsbedarf und dementsprechend ist zu Handeln. Ich verstehe die Ergebnisse des FEI-Seminars keineswegs als Persilschein für rüden Umgang mit dem Pferd. Aus diesen Gründen stehen wir auch weiterhin ohne jede Einschränkung zu den klassischen Ausbildungsmethoden, basierend auf den Richtlinien für Reiten und Fahren und der darin enthaltenen Skala der Ausbildung des Pferde. Von Rollkur ist da keine Rede. Das ist aktiver Pferdeschutz, und den betreiben wir!
Auch bei den Irrlehren der Ausbilder Baucher, Fillis und Plinzner im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die zu ihrer Zeit sehr populär waren, hat die Entwicklung erst im Nachhinein gezeigt, dass sie falsch waren. Und zu dem Versuch einer neuen Namensgebung (Hyperflexion des Halses): Dadurch, dass man einem Problem einen neuen Namen gibt, löst man es meistens nicht. Im Regelfall entfernt man sich nur weiter von der Problemlösung.
Und abschließend: Die Fortbildung von Stewards ist sicherlich gut. Auf den Vorbereitungsplatz gehören jedoch zusätzlich erfahrene Richter und selbst diesen müssen Kriterien an die Hand gegeben werden, nach denen sie zweifelsfrei entscheiden können.
Über diese Forderung freut sich nicht jedermann, aber was bei uns in Deutschland Erfolg hat, kann auch international nur von Vorteil sein."
Dr. Hanfried Haring
Generalsekretär und Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstands der FN